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Jeder Griff muss sitzenDHM Notfallwagen-Schulungs-App
Für die Klinik für angeborene Herzfehler und Kinderkardiologie am Deutschen Herzzentrum München (DHM) haben wir eine digitale Schulung als 3D-Anwendung entwickelt, im Stil eines Serious Games. Pflegekräfte und ärztliches Personal lernen damit, wo im Notfallwagen welches Material liegt, und üben Notfallszenarien.
Am virtuellen Wagen öffnen sie Schubladen, greifen zum richtigen Material und spielen Szenarien wie eine Reanimation durch, vom geführten Rundgang bis zum Stresstest unter Zeitdruck. So wird aus Wissen Routine, spielerisch und in kurzen Einheiten auf dem Tablet.
Warum muss man den Umgang mit dem Notfallwagen trainieren?
Weil er selten gebraucht wird, im Ernstfall aber jede Person auf der Station am Wagen stehen kann. Dann muss jeder Griff sitzen: Wer den Defibrillator, das Intubationsset oder Adrenalin anreichen soll, muss wissen, in welcher Schublade es liegt.
Ohne Routine wird gesucht, im ungünstigen Fall wird das falsche Set gereicht. Bisher haben sich die Mitarbeitenden den Inhalt des Wagens selbstständig über lineare, textbasierte Unterlagen erarbeitet. Wo etwas liegt und in welcher Reihenfolge man es braucht, lässt sich so nur schwer verinnerlichen.
Das Fachwissen ist beim erfahrenen Pflegepersonal vorhanden, es fehlt die Routine. Schon im Kick-off haben wir die Aufgabe deshalb so beschrieben: Wissen ist nicht gleich Können. Die App vermittelt keine medizinische Theorie, sondern Handgriffe und Abläufe am Wagen.
Wie funktioniert das Serious Game für die Pflegeschulung?
Die Anwendung zeigt den Notfallwagen der Station als 3D-Modell. Man dreht ihn, öffnet Schubladen und nimmt Material heraus, so wie am echten Wagen.
Das Training ist in drei Abschnitte gegliedert. Die Unterstützung durch die App nimmt dabei Schritt für Schritt ab, bis man selbstständig handelt.
- Basiswissen: Eine Führung erklärt alle Bereiche des Wagens. Danach erkundet man ihn frei, sucht Materialien und ordnet sie richtig ein. Anschließend lernt man die Szenarien kennen und legt mit Hilfe eines virtuellen Coachs alles bereit, was gebraucht wird.
- Praxis: Die Szenarien werden patientenspezifisch geübt, an Beispielpatient:innen unterschiedlichen Alters und Gewichts, vom Säugling bis zum Erwachsenen. So übt man auch, wie viel eines Medikaments aufgezogen wird. Am Ende steht ein Stresstest unter Zeitdruck, etwa bei einer Reanimation.
- Wiederholung: Kurze Abfragen in wachsenden Abständen halten das Wissen frisch, egal wie weit man im Training ist.
Didaktisch orientiert sich die App am Lernen in einer handwerklichen Ausbildung: erst vormachen, dann begleiten, dann schrittweise loslassen. Der Wagen ist im Detail als 3D-Modell und in der Gesamtübersicht als 2D-Darstellung zu sehen. Die Ansprache ist bewusst locker und per Du, ohne Wettbewerb unter Kolleg:innen.
Warum haben wir uns gegen VR entschieden?
Geplant war zunächst eine VR-Anwendung, weil sie das Training besonders immersiv macht. In den Workshops haben wir gemeinsam mit dem DHM durchgespielt, wer die Schulung macht, wann und wo, und ob ein Schulungsnachweis nötig ist.
Das Ergebnis war eine Anwendung für Tablets. Im Dienst gibt es selten längere Zeitfenster, gebraucht wurde also ein Training für kurze Einheiten ohne Vorbereitung. Eine VR-Brille und ein ungestörter Raum hätten genau das verhindert. Geschult wird während der Arbeitszeit auf Tablets der Klinik.
Auf einen Schulungsnachweis haben wir bewusst verzichtet. Gespeichert wird der Lernfortschritt, damit jede Person dort weitermacht, wo sie aufgehört hat. Die Accounts verwaltet die Klinik selbst über eine Admin-Seite. Die Anwendung läuft auf einem Server im Intranet der Klinik. Diese Lösung haben wir gemeinsam mit der IT des DHM entwickelt. So erfüllt die Anwendung die Datenschutz- und IT-Sicherheitsvorgaben der Klinik.
Wo VR seine Stärken ausspielt, zeigt unsere Case Study ECMO-VR, ebenfalls für das DHM.
Wie sind wir vorgegangen?
Ein interdisziplinäres Team aus UX Design, 3D-Design und Frontend-Entwicklung hat das Projekt von 2023 bis 2024 umgesetzt. Das medizinische Fachpersonal des DHM war in jeder Phase eingebunden.
- Verstehen: Ziele, Lernansatz und Einsatz im Stationsalltag gemeinsam geklärt.
- Modellieren: den Notfallwagen als detailgetreues 3D-Modell aufgebaut und mit dem DHM abgestimmt.
- Inhalte und Didaktik festlegen: in Workshops mit dem Fachpersonal Lerninhalte geprüft und Szenarien priorisiert.
- Konzipieren und gestalten: Lernaufbau und Interface entwickelt.
- Testen: Prototypen mit Pflegekräften am DHM erprobt und verbessert.
- Umsetzen: die Anwendung programmiert und gemeinsam mit der IT in der Klinik eingeführt.
Was hat das DHM davon?
- Das Personal übt die Handgriffe spielerisch am 3D-Modell, statt Listen durchzulesen.
- Die Inhalte entsprechen dem tatsächlichen Wagen der Station, Fach für Fach.
- Trainiert wird in kurzen Einheiten während der Arbeitszeit, auf Tablets der Klinik. Der Lernfortschritt bleibt gespeichert.
- Die Anwendung erfüllt die IT- und Datenschutzvorgaben der Klinik.
Die Zusammenarbeit mit dem UP Designstudio ist immer wieder aufs Neue eine große Freude. Vom ersten Konzept über das Testing bis zur finalen Implementierung fühlen wir uns immer kreativ sehr gut beraten. Das Ergebnis findet begeisterten Anklang auf Station.
Andrea Strötges-Achatz
Lässt sich die Anwendung auf andere Kliniken übertragen?
Ja. Die App ist für den Notfallwagen dieser Station gebaut, das Grundgerüst lässt sich aber auf andere Ausstattungen, weitere Szenarien und andere Kliniken anpassen.
Auch ohne Anpassung kann eine bestehende Anwendung als Basisschulung dienen, etwa für neue Mitarbeitende oder Auszubildende. Die Stellen, an denen der eigene Wagen abweicht, werden dokumentiert und gezielt nachgeschult.
Häufige Fragen
Wie kann man den Umgang mit einem Notfallwagen digital trainieren?
Mit einer 3D-Anwendung, in der man den Wagen dreht, Schubladen öffnet und Material in der Reihenfolge eines Notfallszenarios entnimmt. Das Training beginnt geführt und wird schrittweise selbstständiger.
Braucht man für die Schulungs-App eine VR-Brille?
Nein. Die Anwendung läuft auf Tablets. So lässt sich eine Trainingseinheit auch in einem kurzen Zeitfenster im Dienst absolvieren.
Wo werden die Daten der Nutzenden gespeichert?
Auf einem Server im Intranet der Klinik. Für den Lernfortschritt legt die Klinik über eine Admin-Seite Accounts an. Ein Schulungsnachweis wird nicht erstellt.
Kann die App an einen anderen Notfallwagen angepasst werden?
Ja. Ausstattung und Szenarien lassen sich anpassen und erweitern. Eine bestehende Version eignet sich zudem als Basisschulung, Abweichungen werden gezielt nachgeschult.
Wie ist das Training didaktisch aufgebaut?
Wie in einer handwerklichen Ausbildung: Die App führt zuerst durch den Wagen, begleitet dann beim Üben und nimmt ihre Hilfe schrittweise zurück. Wiederholungen in wachsenden Abständen festigen das Wissen.
Welche Schulungen eignen sich für eine Digitalisierung?
Vor allem Schulungen für Situationen, in die viele Mitarbeitende geraten können, auch wenn sie selten vorkommen. Betrifft ein Szenario nur wenige Spezialist:innen, sind andere Simulationsmethoden oft sinnvoller.
Meet UP!
Sie überlegen, eine Schulung in Ihrer Klinik zu digitalisieren? Wir klären gemeinsam mit Ihnen, welche sich dafür eignet und was sie im Alltag leisten muss.
Lasse Creutzfeldt
Geschäftsführer
lc@updesignstudio.de
+49 711 32654 82
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